Samstag, 7. Juni 2008

Juan

Bevor ich heute von meinen Erlebnissen erzaehle, moechte ich ein paar Zeilen ueber einen ganz besonderen Menschen schreiben. Auch wenn er es nicht lesen kann, da er kein deutsch spricht. Juan gehoert zu einen von den drei Spaniern und er hat mir die letzten Tage beigestanden. Er hat mir geholfen wieder nach vorne zu sehen. Wir haben stundenlang miteinander geredet. Ihr werdet jetzt sagen: was ist denn da schon dabei? Das moechte ich Euch gerne sagen. Juan laueft hier auf dem Camino fuer seine tote Frau und seine tote Tochter die er beide durch einen Autounfall verlorden hat. Ich habe noch nie einen solchen Menschen kennengelernt der trotz eigener Schmerzen immer noch fuer andere da ist und ihnen beiseite steht. Wenn wir alle abends zur Kirche gehen kann ich seinen Schmerz fuehlen und ich wuerde sehr viel darum geben ihm etwas abzunehmen. In den langen Gespraechen hat er mir gesagt: ich soll nicht nach unten schauen, da sehe ich immer nur ein Stueck. Ich solle hoch sehen, dann kann ich alles erkennen. Man kann sich ueber Kleinigkeiten aufregen und uebersieht dabei das Wichtige im Leben. Nun weiss ich auch was ich alles falsch gemacht habe in meinem Leben. Aber man kann das Vergangene nicht mehr veraendern. Man kann nur fuer die Zukunft ein anderer Mensch werden. Mehr moechte ich hier im Tagebuch nicht erzaehlen. Aber ich weiss, dass immer wenn ich meine es geht nicht mehr weiter, nur an Juan denken brauche und seinen starken Willen. In meinen Gedanken wird er immer einen ganz besonderen Platz haben und ich wuensche ihm von Herzen, dass sein Schmerz irgendwann nachlaesst und er ein neues Leben beginnen kann. Jetzt sind es noch 18 km bis Santiago. Wir haben heute beschlossen, dass wir alle vier Hand in Hand in die Stadt einlaufen. Ich glaub da bekomm ich Gaensehaut pur. Vor allem haben wir zur Zeit traumhaftes Wetter. Dieser Camino nimmt dir alles. Aber er gibt es dir auch tausendfach zurueck. Ich freue mich schon auf morgen. Diesen Moment werde ich aber nicht hier im Tagebuch festhalten. Es gibt Dinge, die bleiben im Herzen geborgen. Unsere 29 km heute waren ein "Katzensprung". So langsam machen wir uns hier auf dem Camino alle so unsere Gedanken, wie es wohl Zuhause sein wird. Ohne morgens zuerst den Schlafsack einzupacken. Abends die Strecke fuer den kommenden Tag zu klaeren. All die gemeinsamen Gespraeche mit den anderen Peregrinos. Es waren unvergessliche Wochen. Ich wuerde sie auf nichts in der Welt eintauschen wollen. Ich weiss genau, sie werden mir fuer meine Zukunft Halt und Zuversicht geben.

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